Laptop von der Steuer absetzen: Was spart man wirklich?

Mit Rechenbeispielen mit und ohne Umsatzsteuer

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Laptop von der Steuer absetzen - wie hoch ist die Ersparnis in der Praxis?
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Warum kaufen Gründer, Selbstständige und Unternehmen immer so teure Hardware? Gefühlt fast immer sind es teure Notebooks von DELL oder direkt gleich Apple MacBooks. Die Dinger kosten schließlich ein Vermögen. Also warum macht man das?

Das habe ich mich früher oft gefragt. Und jedem normalen Arbeitnehmer, der mit Selbstständigkeit noch nie etwas am Hut hatte, wird es vermutlich ebenso gehen.

Das Ganze hat aber durchaus einen Sinn, denn solche Betriebsausgaben setzt man einfach von der Steuer ab. Das mache ich als Einzelgewerbetreibender ganz genauso. Und du als zukünftiger Freiberufler, digitaler Nomade, Kleingewerbetreibender…. kannst das auch.

Umso teurer das Notebook, desto höher die Steuerersparnis

Mit diesem Satz könnte man das Thema fast schon abschließen. Denn genau das ist der Hintergrund.

Aber eben nur fast. Du wirst sicher wissen wollen, was dein Notebook dich wirklich noch kostet, wenn du es für dein eigenes Gewerbe kaufst.

Zum besseren Verständnis werde ich dies daher am Beispiel eines MacBook Pro vorrechnen. Vielleicht wirst du ein wenig erstaunt sein.

Das plötzlich bezahlbare MacBook Pro

Ich selbst bin seit ein paar Jahren Apple Nutzer. Aus aktuellem Anlass entscheide ich mich in meinem Rechenbeispiel daher für das Apple MacBook Pro 15″. Denn ich möchte demnächst eine Weile ins Ausland gehen und hätte gerne ein neues mobiles Arbeitsgerät dafür.  Etwas größer als mein jetziges Modell mit 13 Zoll muss es dafür aber schon sein.

Die besser ausgestattete Variante kostet bereits 3199 Euro. Ein Heidengeld für ein Laptop… Aber perfekt, um es von der Steuer abzusetzen und somit auch für dieses Beispiel.

Bei Notebooks – oder Rechnern allgemein – beträgt die steuerliche Abschreibungsdauer drei Jahre. Der Kaufpreis wird also auf drei Jahre verteilt und jedes Jahr ein Teil davon als Ausgaben abgesetzt. Das ergibt in diesem Fall rund 1066 Euro pro Jahr. Nun müssen wir aber noch unterscheiden zwischen den Szenarien eines Kleinunternehmers, der keine 19% Vorsteuer abziehen kann und einem abzugsberechtigten Unternehmer. Denn hier kommen wir jeweils auf etwas andere Werte.

Für Unternehmer mit Vorsteuerabzug

Zunächst gehen wir von einem Gewerbetreibenden aus, der Umsatzsteuer ausweist, also vorsteuerabzugsberechtigt ist. Die Variante des Kleingewerbetreibenden behandle ich im Anschluss. Wir müssen den Preis des MacBook Pro also erst einmal in seine Bestandteile zerlegen. Das wären 608 Euro Mehrwertsteuer, sowie 2591 Euro Nettopreis. Die 19% MwSt. können wir als Vorsteuer direkt im ersten Jahr absetzen. Den restlichen Betrag über drei Jahre, somit rund 863 Euro jährlich.

Die Ersparnis hängt insbesondere von der Höhe der Einkünfte ab. Daher im Folgenden Beispielrechnungen für verschiedene Einkommenshöhen.

1. Keine Einkünfte

Ohne Einkünfte kannst du nur die bezahlte MwSt. des MacBooks – also 19% – beim Finanzamt geltend machen. Darüber hinaus bekommst du keine Steuern zurück, denn wer keine Einkommensteuer bezahlt, der bekommt auch keine erstattet.

Gesamtkosten: 2591 Euro.

Ersparnis: 608 Euro.

2. Tabelle für verschieden hohe Einkünfte

Es sind die zu versteuernden Einkünfte gemeint. Einfach gesagt, der Gewinn.

Die folgende Übersicht zeigt, wieviel Einkommensteuer pro Jahr normalerweise bezahlt werden muss. Und wieviel es wäre, würde man das 3199 Euro teure Notebook von der Steuer absetzen. Ich habe hierzu den Online-Rechner des Bundesministeriums für Finanzen genutzt (siehe hier), für eine alleinstehende Person. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

In der letzten Spalte ist die Gesamtersparnis nach drei Jahren abzulesen, inklusive der gesparten Mehrwertsteuer.

Gewinn pro JahrEinkommensteuer pro JahrSteuer nach absetzen / Jahr
Ersparnis nach 3 Jahren + 19% MwSt.
10.000 €123 €0 €977 €
15.000 €1.180 €937 €1.336 €
20.000 €2.547 €2.307 €1.326 €
30.000 €5.565 €5.287 €1.444 €
40.000 €9.040 €8.723 €1.561 €
50.000 €12.971 €12.615 €1.678 €
100.000 €35.046 €34.663 €1.757 €

Wie man sieht, ist die Ersparnis teilweise enorm und steigt mit dem zu versteuernden Einkommen an. Bei 50.000 Euro jährlich spart man 1678 Euro.

Oder anders gesagt: Das Apple Laptop hat uns nach drei Jahren statt 3199 Euro nur 1521 Euro gekostet. Weniger als die Hälfte!

Für Kleinunternehmer ohne Vorsteuerabzug

1. Keine Einkünfte

Da der Kleinunternehmer keine Vorsteuer abziehen kann, hat er auch keinerlei Ersparnis, wenn er kein Einkommen versteuern muss.

2. Tabelle für verschieden hohe Einkünfte

Wie zuvor geht es um das zu versteuernde Einkommen, als Gewinn betitelt.

Der Kleinunternehmer kann keine „19% ziehen“, daher setzt er jährlich die ganzen 3199 Euro durch drei ab. Brutto, wie der Profi sagt 😉

Er spart damit etwas mehr bei der Einkommensteuer, dagegen logischerweise aber nichts bei der Umsatzsteuer.

Achtung: Die folgende Tabelle ist ab der 17.500 Euro Grenze („Kleinunternehmer-Grenze“) nur noch rein theoretischer Natur und so natürlich nicht korrekt!

Ein Kleinunternehmer muss im Gründungsjahr unter 17.500 Euro Umsatz liegen. Im zweiten Jahr darf er nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz erwarten. Sobald er die 17.500 Euro jedoch überschreitet, ist er ab dem Jahr darauf kein Kleinunternehmer mehr! Und hier gilt: Umsatz, nicht Gewinn!

Die weiteren Zeilen sind also rein anschaulicher Natur.

Gewinn pro JahrEinkommensteuer pro Jahr
Steuer nach absetzen / Jahr
Ersparnis nach 3 Jahren
10.000 €123 €0 €369 €
15.000 €1.180 €889 €872 €
17.500 €1.8631.580886 €
20.000 €2.547 €2.251 €886 €
30.000 €5.565 €5.222 €1.029 €
40.000 €9.040 €8.649 €1.174 €
50.000 €12.971 €12.531 €1.320 €

Hier fällt die Ersparnis im Vergleich zum umsatzsteuerpflichtigen Selbstständigen etwas geringer aus. Gerade bei geringen Einkünften schrumpft die Ersparnis des Kleinunternehmers deutlich, da er die sofort absetzbaren 608 Euro Mehrwertsteuer nicht erhält.

Fazit

Die Zahlen sprechen eigentlich bereits für sich. Ich empfinde es als großes Privileg, mir als Gewerbetreibender meine Arbeitsgeräte selbst aussuchen zu dürfen und dabei auch noch ordentliches Sparpotenzial zu haben. Ein teures 15 Zoll MacBook Pro für weniger als die Hälfte des Originalpreises? Solche Schnäppchen gibt es sonst nirgendwo!

Auch sieht man ganz gut, dass die Kleinunternehmerregelung in dieser Hinsicht Nachteile bringt. Klar bedeutet es weniger Aufwand, wenn man mit Umsatzsteuer nichts am Hut hat. Doch kann man dann eben auch keine absetzen und verschenkt unter Umständen bares Geld.

Wer nichts verdient ist besser kein Kleinunternehmer

Der Spezialfall, wenn man (noch) gar keine Einkünfte erzielt, zeigt deutlich: Der Kleinunternehmer geht hier leer aus. Denn die 608 Euro vorab gezahlte Mehrwertsteuer würde man ohne Kleinunternehmerregelung in jedem Fall vom Finanzamt erstattet bekommen.

PS: Gilt auch fürs Handy, Firmenwagen… etc.

Ich habe mich hier des konkreten Beispiels Laptopkauf fürs Gewerbe bedient. Alle Überlegungen gelten aber selbstverständlich ebenso für andere Investitionen, sei es der Kauf eines Smartphones, Tablets, Autos, Helikopters… Der Unternehmenszweck muss natürlich gegeben sein!

Disclaimer

Ich bin weder Steuerberater, noch Rechtsanwalt! Daher kann ich hier nur aus eigenen Erfahrungen und gesundem Menschenverstand berichten. Ich übernehme daher wie immer keine Haftung für die Richtigkeit.

Bevor man mich schlägt: Ich habe hier mit vereinfachten Modellannahmen gerechnet. In meinen Rechenbeispielen müsste das Einkommen über die kompletten drei Jahre konstant bleiben. Auch gehen wir fiktiv davon aus, dass Einkommen = Gewinn und außer dem Laptop nichts abgesetzt wird. Eben eine Modellrechnung. Wer schon mal BWL studiert hat, weiß aber: Das geht deutlich schlimmer 😉